Report Felix Berg. Mit Kletterpartner Arne Bergau – Vielen Dank!
Nachdem am Vortag an den Wenden ein Zwangsruhetag entstand, nahmen wir die erst Bahn zur Kleinen Scheidegg – Eiger Gletsher. In schnellen Schritt waren wir an dem uns schon bekannten (von der Deep Blue Sea einige Tage zuvor) Abstieg zum Einstiegsband. Der Tag sollte mir super reinlaufen, so dass die Tour bis zu einen sehr harten Meter in der 8a-Schüssellänge On Sight glücken sollte, und wer ähnlich versuchen mag, darf jetzt nicht weiterlessen.
Die 1.Seillänge (6b+) sieht heikel aus, sodass mir Arne schon hier den Vortritt überlässt. Der erste Haken auf 20 Meter Höhe lässt sich mit zweifelhafter Sicherung in zweifelhaften Fels recht leicht an klettern. Dann folgen immer wieder plattige Stellen mit einem gewissen Nervenfaktor aufgrund des mäßigen Fels und relativ weiter Abstände. Es lassen sich einige Cams (0.25 und 0.75) in Querrissen unterbringen. Arne im Nachstieg kurz vor dem Stand:

Die 2.Seillänge (7c) ist im unteren Teil schwer und gut gesichert. Der Fels ist etwas brüchig, aber gut geputzt und ich klettere selbstbewusst drauf los. Zwar wenig Chalk sind immer wieder einige Schlüsselgriff getickt und erleichtern das On Sight. Der Charakter ist Ausdauer an Leisten. Am oberen Ende des steilen Abschnitts ziehe ich etwas gepumpt nach rechts in einen Schultergriff, dazu und mit rechts weiter ein einen Seitgriff. Weit hoch und nach links raus, aufrichten, puh, geschafft. Ich stehe sicher an großen Griffen und über mir ist es weniger steil: 
Nach einer Rast klettere ich weiter zu einem Band. Von dem Weg folgt eine linksgerichtete Verschneidung mit zwei Haken. Das Gelände ist leichter (6b/c), aber ich lege noch einen Keil und einen kleinen Cam dazu, die den potenziellen Sturz aufs Band entschärfen könnten.
In der 3.Seillänge (7a/b) folgt nach einer Rechtsquerung ein Aufschwung:

Die Stelle in der Verschneidung löse ich nach vorherigem Abklettern mit Bedenkzeit mit einem beherzten Dynamo. Oben raus geht es durch Platten und eine Verschneidung in schlechteren Fels weiter zum Stand unterhalb der Schüssellänge.
Die 4.Seillänge (8a) beginnt mit einer Linksquerung. Es gibt zwei Varianten: Original wohl wieder absteigend und dann hoch. Mit neuen Bolts ausgerüstet leicht ansteigend. Ich wähle die neuere Variante, die mit Fußarbeit (etwas 6c) kraftsparend zu der steileren linken Kante führt. Das Gelände ist nicht steil und ich komme gut zu dem letzten Haken unter der glatten Schlüsselstelle. Am nächsten Haken fehlt die Lasche: Welcher Ar#grr&$… hat die abgemacht? …hilft nichts, weiterklettern! An einer scharfen Leiste richte ich mich auf guten Tritten auf und erreiche eine runde seitliche Liste mit links und ein gute Leiste daneben für rechts. Mit links weiter an einen kantigen und relativ guten Seitgriff richte ich mich auf. Inzwischen über den Haken ohne Lasche, finde aber mit rechts keinen Griff den ich gut genug halten kann, um den Fuß raufzusetzen. Ich klettere nochmals ab. Mit den dicken Unterarmen kommt die Nervosität, versuche ich eine dünne Bandschlinge über den Haken zu legen. Es klappt nicht. Ich schüttele nochmals und steige dann nochmals nach links Weg. An kleinen Leisten mit dem nicht Haken vor der Nase pumpen die Arme zu. Ich setze den Fuß hoch, der Fall kündigt sich an. Noch ein Hoffnungsschnapper, auch nichts da, ich fliege in Seil. Aus ist das On Sight!


Tips zur 4.Seillänge: Die fehlende Lasche kann man mit einem Draht (Klemmkeil, Copperhead) gut Klippen. Vorher in die Echse geklippt, kann man den Haken von der rechten Leiste erreichen, den Draht rüberschieben und dann gleich Belasten. Eine Lasche und Schaube mitnehmen und dort lassen wäre auch eine feine Sache.
Tips zum Freiklettern: Es wohl zwei-drei mögliche Varianten: 1.) über rechts, von dem positiven Seitgriff (links) kann man mit rechts in eine negatives Zweifinger-Loch-Delle (etwas versteckt), dann mit rechts auf eine abschüssige Leiste oder eine Rasiermesser-Klinge. Füße hoch und dann mit links rauf auf eine gute Leiste, mit rechts in den guten Seitgriff darüber. 2.) über links, leicht negative Leiste als Seitgriff-Zange (links), rechten Fuß hoch, mit rechst auf eine abschüssige negative Leiste, mit links auf ähnliche Leiste, linken Fuß hoch, rechten Fuß hoch und dann mit rechts in den guten Seitgriff ziehen. 3.) über das gute Bruch-Leistenband links, ein weiter brachialer Zug. Die an zu klettern könnte ein Problem sein, das habe ich mir nicht angesehen.
Insgesamt denke ich passt die Bewertung mit 8a (9+/10-) im jetzigen Zustand, sicherlich auf der harten Seite. Aber es befinden sich auch ein abgesägter Bohrhaken (1 Meter weiter rechts), ein reingeschlagener alter Spit Bohrhaken in der Schüsselpassage und der große Griff links sieht abgebrochen bröselig aus. Somit ist mir nicht ganz klar, wo und wie die bisherigen Begehungen stattgefunden haben.
Recht schnell technisch über die Stelle, bouldere ich kurz rum. Die Schwierigkeit liegt sehr maximalkräftig-technisch in der beschriebenen Einzelstelle. Danach führt eine Kante an guten Griffen zum Stand. Es folgen 5 alpinere Seillängen (Bruch wie teils schlechte Absicherung) zum Gipfel.
Die 5.Seillänge (6b) mit zwei alten Spit Bohrhaken auf 40 Metern und nur einigen mäßigen zusätzlichen Absicherungen, reichlich brüchig, ist heikel zum Stürzen. Diese fiel mir besonders schwer, dass lag aber vielleicht auch an den voran gegangenen On-Sight-Versuch. Arne steigt hinterher:

In der 6.Seillänge (6c+) sollte man auf ausreichende Schlingen Verlängerung achten, und den ersten Haken nach der Rechtsquerung (verlängerte Schlinge) wieder ausklippen. Die 7.Seillänge (6a) folgt einer gut abzusichernden Riss-Verschneidung, wobei ich oben rechts über die Platten in solidem Fels zum Stand geklettert bin statt in der Verschneidung zu bleiben. Die 8.Seillänge (6c+) hatte einen für mich schwer zu klippenden 4.Bohrhaken, und stürzen mag man da auch nicht mehr. Diesen sollte man dann weit verlängern, damit oben die Seilreibung nicht so groß wird. Die 9.Seillänge führte dann Arne über einer Riss-Verschneidung und Blockgelände (5a) zum Ausstieg.

Um 8:30 abends sind wir wieder an der Station Eigergletscher. Lang und anstrengend war dies ein sehr befriedigender Tag für mich. Wir pennen noch mit Blick auf Jungfrau und Mönch, um am nächsten Tag die erste Bahn nach Grindelwald ins Tal zu nehmen.